Startseite
  Über...
  Archiv
  Bilder Februar
  Bilder Januar
  Bilder November
  Bilder Oktober
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Marcel in Peru
   Talitha Kumi
   Mein Jahr in Israel
   SV Oberachern
   Heimschule Lender




  Letztes Feedback



http://myblog.de/mattyinpalaestina

Gratis bloggen bei
myblog.de





März

Nachdem Lara und Lena nach Hause gegangen waren, begann für uns der Entspurt für die DSD-Prüfungen, sowohl mit den 8.Klässlern als auch mit den anderen Schülern.

Insgesamt machten 70 Schüler diese Prüfung. Die DSD-Prüfung besteht aus zwei Teilen, einem schriftlichen und einem mündlichen. Der schriftliche Teil besteht aus Hörverstehen und freiem Schreiben, der mündliche Teil läuft so ab, wie bei uns im Abi die Präsentationsprüfung. Die Ergebnisse bekommen die Schüler leider erst im Sommer...

Anfang März kamen Lisas Bruder Hubertus und seine Freundin Dominika zu Besuch. Wir verbrachten viel Zeit mit den beiden, zum Beispiel waren wir am Toten Meer und abends in Jerusalem feiern.

Was das nach-Jerusalem-Fahren sehr erschwert ist, dass wir immer seltener durch „unseren“ Beit Jala Check Point kommen. Manchmal hilft uns unser Volontärsvisum, aber manchmal werden wir auch zurückgeschickt.

Diese Unsicherheit trug dazu bei, dass meine letzte Orchesterprobe nicht stattfinden konnte. Eine Mitspielern traute sich nicht in die Westbank zu fahren, weil sie das riesige Aufgebot der Armee um die Altstadt herum sah. Einer der Cellisten musste schon abends nach Jerusalem fahren, da er am nächsten Tag in einem Gottesdienst spielen musste und es morgens fast unmöglich ist durch den Bethlehem Checkpoint zu kommen, bzw. nur mit drei Stunden Wartezeit. Viele Palästinenser, die in Israel arbeiten, kommen schon um 4 Uhr morgens dorthin um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen...

Unabhängig davon hatte sich noch eine Mitspielerin die Zehen gebrochen und zwei andere hatten Besuch. Also probten wir nur als Quartett.

Letzten Sonntag haben Lisa und ich die Il Quds University besucht. Wir wurden von Shatha, einer muslimischen Studentin geführt, die in dem Flüchtlingscamp wohnt, in dem wir Arabischunterricht haben. An der Universität studieren 10.000 Studenten aus der ganzen Westbank. Auf dem Campus ist ein Museum und zwar das „Abu Jihad Museum for the Prisoners Movement Affairs“, in dem es um palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen geht. Das Museum war sehr erschütternd und ernüchternd. Angeblich war jeder dritte erwachsene Palästinenser schon einmal in einem solchen Gefängnis. Gestern habe ich erfahren, dass auch unser Torwart sechs Jahre lang im Gefängnis saß und unser Trainer drei Jahre.

Nach dem Besuch in der Universität wurden wir von Shatha zum Essen eingeladen. Dabei erfuhren wir manches über ihre Familie. Ihre Schwester wurde während der zweiten Intifada mit elf Jahren von israelischen Soldaten erschossen. Sie war in einer Feuerpause beim Shop gegenüber Eis holen gegangen und wurde auf dem Rückweg von einer Maschinengewehrsalve in den Bauch getroffen. Die Familie versuchte noch sie ins Krankenhaus zu fahren, aber als sie dort ankamen, war das Mädchen schon tot.

Am darauffolgenden Dienstag wurde der Tag des Zorns ausgerufen und es kam regelrecht zu Schlachten zwischen der Armee und Arabern in Ost-Jerusalem. Verschiedene palästinensische Gruppen hatten zu diesen Protesten aufgerufen, einmal wegen der Einweihung einer großen Synagoge in der Altstadt, dann wegen der Ankündigung einiger radikaler Juden den Grundstein für den Wiederaufbau des zweiten Tempels zu legen und wegen der fortschreitenden Wohnungsräumungen und Neubauten im arabischen Ost-Jerusalem.

An diesem Tag sollte ich ein Spiel gegen Sliwan, eine Mannschaft aus Ost-Jerusalem haben, aber die andere Mannschaft sagte das Spiel ab, da vier ihrer Spieler bei den Zusammenstößen verhaftet worden waren.

Am darauffolgenden Tag ging unser Zwischenseminar in Taybeh los. Der Hauptaugenmerk des Seminars lag auf unserer Arbeit in Talitha und wie man sie erleichtern/verbessern könnte, aber es ging auch um Conflict Resolution. Das Seminar war sehr interessant leider nur viel zu kurz. Als Abschluss besichtigten wir die einzige Brauerei Palästinas und nahmen auch ordentlich etwas für unser leibliches Wohl mit, denn dieses Wochenende gab es dann einiges zu feiern, da Marius und Lisa Geburtstag hatten.

Gestern sollte ich eigentlich mein erstes Saisonspiel haben, aber leider funktioniert die Kommunikation zwischen dem palästinensischen Fußballbund und dem DFB nicht so hervorragend und Kevin, einer meiner Mitspieler aus Berlin, und ich mussten dieses Spiel noch aussetzen und zuschauen. Das Spiel war eines unserer schlechtesten Spiele bisher, aber trotzdem gewannen wir 2:1.


22.3.10 11:55
 
Letzte Einträge: Zurück in Beit Jala, Februar, Juli



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung