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Februar

Seit meinem letzten Eintrag ist bereits ein Monat vergangen und es gibt wieder einiges zu erzählen.


Die Arbeit mit den Kindern macht nach wie vor großen Spaß. Meine Geigenschüler machen weiter Fortschritte und die Achtklässler bereiten sich immer noch auf ihre DSD Prüfung vor. Mit zwei von meinen Schülern und einer anderen Schülerin, die Cello spielt, habe ich diese Woche zum ersten Mal Quartett geprobt und dafür, dass es für alle drei das erste Mal war, hat es schon sehr gut geklappt.


Mein Volontärsorchester nimmt langsam auch genauere Formen an, wir haben eine nächste Probe festgelegt, zu der diesmal wieder ein paar mehr kommen werden und einer der Volontäre hatte auch eine Idee für ein weiteres Konzert. Er leitet an der Schmidtschule in Jerusalem einen Kinderchor und wir werden diesen wahrscheinlich begleiten.


Anfang Februar nahmen Marius, Felix, Lisa und ich an dem Seminar " Jugend in Israel – Erziehung und Ausbildung" in der Nähe von Haifa teil. Das Seminar wurde von der Bildungsstätte Dialog organisiert und bis auf die Anfahrtskosten mussten wir nichts bezahlen. Gleich zu Beginn des Seminars besuchte uns die Wohlfahrtsministerin Israels und klärte uns über die Aufgaben und Pflichten eines Volontärs auf und sprach mit uns über unsere Einrichtungen. Danach besuchte uns ein Schulleiter einer säkularen Schule aus Hadera und erklärte uns das Schulsystem in Israel. Es gibt vier Arten von Schulen: Säkulare, arabische, orthodoxe und ultra-orthodoxe. Während die ersten drei mehr oder weniger denselben Lehrplan haben nur andere Schwerpunkte, lernen die Schüler an ultra-orthodoxen Schulen ausschließlich über die Tora und andere religiöse Schriften und wachsen somit ohne eine Allgemeinbildung auf, was ziemlich erschreckend ist, wenn man bedenkt, dass diese Schüler 18 % aller Schüler ausmachen. An dem Schulsystem kann man auch erkennen, wie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen nebeneinander aufwachsen anstelle von miteinander, was ich sehr schade finde.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu einer orthodoxen Mädchenschule. Die Mädchen dort lernen dasselbe wie an anderen Schulen, nur dass sie zusätzlich 15 Stunden Religionsunterricht haben. Direkt danach gingen wir zu einem arabischen College in Haifa und sprachen dort eine Weile mit ein paar Studentinnen über ihr Studium. Alle, die an diesem College studieren, müssen sowohl arabisch als auch hebräisch sprechen.

Danach besuchten wir eine WG israelischer Zivildienstleistender, die hauptsächlich Jugendarbeit leisten und mit Pfadfindern arbeiten. Sie machen das allerdings nicht statt dem Armeedienst, sondern vorher, dh vier Jahre anstelle von drei!

Am nächsten Morgen hielt uns dann ein General der IDF einen Vortrag über Erziehung innerhalb des Armeedienstes.


An dem Freitag nach dem Seminar hatte ich ein Fußballspiel in Nablus und zum ersten Mal bin ich eine längere Strecke in Palästina herumgefahren. Das Land ist wirklich wunderschön, viele Berge, Wiesen, tausende Olivenbäume, Hirten mit ihren Schafherden und plötzlich sieht man auf einem Berg eine riesige bedrohliche Festung, umgeben von hohen Zäunen, mit riesigen Häusern, die alle gleich aussehen: eine jüdische Siedlung.

Bei dieser Fahrt habe ich zum ersten Mal eine Art Hilflosigkeit und Machtlosigkeit gespürt gegen diese Festungen, die zusätzlich noch von der Armee beschützt werden.

Das Spiel war dann nicht so erfolgreich, irgendwie schaffen wir es immer, wenn ich mitspiele, in der letzten Minute einen sicher geglaubten Sieg zu verspielen und spielen Unentschieden.


Eine Woche später waren Lisa und ich dann bei einer orthodoxen Familie zum Shabbatessen eingeladen. Ella eine gute Freundin von Merphie hatte uns eingeladen. Wir sind kurz vor Shabbat zu der Familie gegangen, hatten Kaffee und Kuchen und sind dann zusammen in die Synagoge gegangen. Danach gab es dann essen. Wir waren insgesamt elf Leute. Ella und ihre Familie waren zu sechst, zwei andere Gäste, Merphie, Lisa und ich. Es war sehr interessant, sie haben viel gesungen, gebetet aber auch sehr gut gegessen. Kurz vor Shabbat hatte der Vater alle Lichter angemacht den während des Shabbats ist es den orthodoxen nicht erlaubt irgendwelche Schalter zu betätigen bzw. elektronische Geräte zu benutzten. Trotz diesen merkwürdigen Regeln verhielt sich die Familie wie jede andere und sie waren alle sehr freundlich zu uns, auch als sie erfuhren, wo wir Volontäre sind.


Am Sonntag darauf wollten wir Volontäre alle zusammen an den Strand nach Tel Aviv, weil es die letzte Möglichkeit für Lara und Lena war , schwimmen zu gehen, da sie nur für ein halbes Jahr hier waren. Leider wurden wir nicht durch den Checkpoint durchgelassen, den wir sonst immer benutzen. Erklärungen gab es keine, es sei ganz einfach eine neue Regelung. Wir mussten also zum Bethlehem Checkpoint. Dort angekommen standen wir ca. eine Stunde in einer Schlange und kamen keinen Meter voran. Enttäuscht gaben wir auf.


Letzten Montag war dann Laras und Lenas Abschiedsparty und am nächsten Tag verließen sie uns. Obwohl wir nur ein halbes Jahr mit ihnen verbracht haben, haben wir sie alle sehr ins Herz geschlossen und werden sie sehr vermissen.

28.2.10 10:26
 
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