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März

Nachdem Lara und Lena nach Hause gegangen waren, begann für uns der Entspurt für die DSD-Prüfungen, sowohl mit den 8.Klässlern als auch mit den anderen Schülern.

Insgesamt machten 70 Schüler diese Prüfung. Die DSD-Prüfung besteht aus zwei Teilen, einem schriftlichen und einem mündlichen. Der schriftliche Teil besteht aus Hörverstehen und freiem Schreiben, der mündliche Teil läuft so ab, wie bei uns im Abi die Präsentationsprüfung. Die Ergebnisse bekommen die Schüler leider erst im Sommer...

Anfang März kamen Lisas Bruder Hubertus und seine Freundin Dominika zu Besuch. Wir verbrachten viel Zeit mit den beiden, zum Beispiel waren wir am Toten Meer und abends in Jerusalem feiern.

Was das nach-Jerusalem-Fahren sehr erschwert ist, dass wir immer seltener durch „unseren“ Beit Jala Check Point kommen. Manchmal hilft uns unser Volontärsvisum, aber manchmal werden wir auch zurückgeschickt.

Diese Unsicherheit trug dazu bei, dass meine letzte Orchesterprobe nicht stattfinden konnte. Eine Mitspielern traute sich nicht in die Westbank zu fahren, weil sie das riesige Aufgebot der Armee um die Altstadt herum sah. Einer der Cellisten musste schon abends nach Jerusalem fahren, da er am nächsten Tag in einem Gottesdienst spielen musste und es morgens fast unmöglich ist durch den Bethlehem Checkpoint zu kommen, bzw. nur mit drei Stunden Wartezeit. Viele Palästinenser, die in Israel arbeiten, kommen schon um 4 Uhr morgens dorthin um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen...

Unabhängig davon hatte sich noch eine Mitspielerin die Zehen gebrochen und zwei andere hatten Besuch. Also probten wir nur als Quartett.

Letzten Sonntag haben Lisa und ich die Il Quds University besucht. Wir wurden von Shatha, einer muslimischen Studentin geführt, die in dem Flüchtlingscamp wohnt, in dem wir Arabischunterricht haben. An der Universität studieren 10.000 Studenten aus der ganzen Westbank. Auf dem Campus ist ein Museum und zwar das „Abu Jihad Museum for the Prisoners Movement Affairs“, in dem es um palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen geht. Das Museum war sehr erschütternd und ernüchternd. Angeblich war jeder dritte erwachsene Palästinenser schon einmal in einem solchen Gefängnis. Gestern habe ich erfahren, dass auch unser Torwart sechs Jahre lang im Gefängnis saß und unser Trainer drei Jahre.

Nach dem Besuch in der Universität wurden wir von Shatha zum Essen eingeladen. Dabei erfuhren wir manches über ihre Familie. Ihre Schwester wurde während der zweiten Intifada mit elf Jahren von israelischen Soldaten erschossen. Sie war in einer Feuerpause beim Shop gegenüber Eis holen gegangen und wurde auf dem Rückweg von einer Maschinengewehrsalve in den Bauch getroffen. Die Familie versuchte noch sie ins Krankenhaus zu fahren, aber als sie dort ankamen, war das Mädchen schon tot.

Am darauffolgenden Dienstag wurde der Tag des Zorns ausgerufen und es kam regelrecht zu Schlachten zwischen der Armee und Arabern in Ost-Jerusalem. Verschiedene palästinensische Gruppen hatten zu diesen Protesten aufgerufen, einmal wegen der Einweihung einer großen Synagoge in der Altstadt, dann wegen der Ankündigung einiger radikaler Juden den Grundstein für den Wiederaufbau des zweiten Tempels zu legen und wegen der fortschreitenden Wohnungsräumungen und Neubauten im arabischen Ost-Jerusalem.

An diesem Tag sollte ich ein Spiel gegen Sliwan, eine Mannschaft aus Ost-Jerusalem haben, aber die andere Mannschaft sagte das Spiel ab, da vier ihrer Spieler bei den Zusammenstößen verhaftet worden waren.

Am darauffolgenden Tag ging unser Zwischenseminar in Taybeh los. Der Hauptaugenmerk des Seminars lag auf unserer Arbeit in Talitha und wie man sie erleichtern/verbessern könnte, aber es ging auch um Conflict Resolution. Das Seminar war sehr interessant leider nur viel zu kurz. Als Abschluss besichtigten wir die einzige Brauerei Palästinas und nahmen auch ordentlich etwas für unser leibliches Wohl mit, denn dieses Wochenende gab es dann einiges zu feiern, da Marius und Lisa Geburtstag hatten.

Gestern sollte ich eigentlich mein erstes Saisonspiel haben, aber leider funktioniert die Kommunikation zwischen dem palästinensischen Fußballbund und dem DFB nicht so hervorragend und Kevin, einer meiner Mitspieler aus Berlin, und ich mussten dieses Spiel noch aussetzen und zuschauen. Das Spiel war eines unserer schlechtesten Spiele bisher, aber trotzdem gewannen wir 2:1.


22.3.10 11:55


Februar

Seit meinem letzten Eintrag ist bereits ein Monat vergangen und es gibt wieder einiges zu erzählen.


Die Arbeit mit den Kindern macht nach wie vor großen Spaß. Meine Geigenschüler machen weiter Fortschritte und die Achtklässler bereiten sich immer noch auf ihre DSD Prüfung vor. Mit zwei von meinen Schülern und einer anderen Schülerin, die Cello spielt, habe ich diese Woche zum ersten Mal Quartett geprobt und dafür, dass es für alle drei das erste Mal war, hat es schon sehr gut geklappt.


Mein Volontärsorchester nimmt langsam auch genauere Formen an, wir haben eine nächste Probe festgelegt, zu der diesmal wieder ein paar mehr kommen werden und einer der Volontäre hatte auch eine Idee für ein weiteres Konzert. Er leitet an der Schmidtschule in Jerusalem einen Kinderchor und wir werden diesen wahrscheinlich begleiten.


Anfang Februar nahmen Marius, Felix, Lisa und ich an dem Seminar " Jugend in Israel – Erziehung und Ausbildung" in der Nähe von Haifa teil. Das Seminar wurde von der Bildungsstätte Dialog organisiert und bis auf die Anfahrtskosten mussten wir nichts bezahlen. Gleich zu Beginn des Seminars besuchte uns die Wohlfahrtsministerin Israels und klärte uns über die Aufgaben und Pflichten eines Volontärs auf und sprach mit uns über unsere Einrichtungen. Danach besuchte uns ein Schulleiter einer säkularen Schule aus Hadera und erklärte uns das Schulsystem in Israel. Es gibt vier Arten von Schulen: Säkulare, arabische, orthodoxe und ultra-orthodoxe. Während die ersten drei mehr oder weniger denselben Lehrplan haben nur andere Schwerpunkte, lernen die Schüler an ultra-orthodoxen Schulen ausschließlich über die Tora und andere religiöse Schriften und wachsen somit ohne eine Allgemeinbildung auf, was ziemlich erschreckend ist, wenn man bedenkt, dass diese Schüler 18 % aller Schüler ausmachen. An dem Schulsystem kann man auch erkennen, wie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen nebeneinander aufwachsen anstelle von miteinander, was ich sehr schade finde.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu einer orthodoxen Mädchenschule. Die Mädchen dort lernen dasselbe wie an anderen Schulen, nur dass sie zusätzlich 15 Stunden Religionsunterricht haben. Direkt danach gingen wir zu einem arabischen College in Haifa und sprachen dort eine Weile mit ein paar Studentinnen über ihr Studium. Alle, die an diesem College studieren, müssen sowohl arabisch als auch hebräisch sprechen.

Danach besuchten wir eine WG israelischer Zivildienstleistender, die hauptsächlich Jugendarbeit leisten und mit Pfadfindern arbeiten. Sie machen das allerdings nicht statt dem Armeedienst, sondern vorher, dh vier Jahre anstelle von drei!

Am nächsten Morgen hielt uns dann ein General der IDF einen Vortrag über Erziehung innerhalb des Armeedienstes.


An dem Freitag nach dem Seminar hatte ich ein Fußballspiel in Nablus und zum ersten Mal bin ich eine längere Strecke in Palästina herumgefahren. Das Land ist wirklich wunderschön, viele Berge, Wiesen, tausende Olivenbäume, Hirten mit ihren Schafherden und plötzlich sieht man auf einem Berg eine riesige bedrohliche Festung, umgeben von hohen Zäunen, mit riesigen Häusern, die alle gleich aussehen: eine jüdische Siedlung.

Bei dieser Fahrt habe ich zum ersten Mal eine Art Hilflosigkeit und Machtlosigkeit gespürt gegen diese Festungen, die zusätzlich noch von der Armee beschützt werden.

Das Spiel war dann nicht so erfolgreich, irgendwie schaffen wir es immer, wenn ich mitspiele, in der letzten Minute einen sicher geglaubten Sieg zu verspielen und spielen Unentschieden.


Eine Woche später waren Lisa und ich dann bei einer orthodoxen Familie zum Shabbatessen eingeladen. Ella eine gute Freundin von Merphie hatte uns eingeladen. Wir sind kurz vor Shabbat zu der Familie gegangen, hatten Kaffee und Kuchen und sind dann zusammen in die Synagoge gegangen. Danach gab es dann essen. Wir waren insgesamt elf Leute. Ella und ihre Familie waren zu sechst, zwei andere Gäste, Merphie, Lisa und ich. Es war sehr interessant, sie haben viel gesungen, gebetet aber auch sehr gut gegessen. Kurz vor Shabbat hatte der Vater alle Lichter angemacht den während des Shabbats ist es den orthodoxen nicht erlaubt irgendwelche Schalter zu betätigen bzw. elektronische Geräte zu benutzten. Trotz diesen merkwürdigen Regeln verhielt sich die Familie wie jede andere und sie waren alle sehr freundlich zu uns, auch als sie erfuhren, wo wir Volontäre sind.


Am Sonntag darauf wollten wir Volontäre alle zusammen an den Strand nach Tel Aviv, weil es die letzte Möglichkeit für Lara und Lena war , schwimmen zu gehen, da sie nur für ein halbes Jahr hier waren. Leider wurden wir nicht durch den Checkpoint durchgelassen, den wir sonst immer benutzen. Erklärungen gab es keine, es sei ganz einfach eine neue Regelung. Wir mussten also zum Bethlehem Checkpoint. Dort angekommen standen wir ca. eine Stunde in einer Schlange und kamen keinen Meter voran. Enttäuscht gaben wir auf.


Letzten Montag war dann Laras und Lenas Abschiedsparty und am nächsten Tag verließen sie uns. Obwohl wir nur ein halbes Jahr mit ihnen verbracht haben, haben wir sie alle sehr ins Herz geschlossen und werden sie sehr vermissen.

28.2.10 10:26


Zurück in Beit Jala

Seit meiner Rückkehr nach Beit Jala, ist wieder einiges geschehen. Die erste Woche nach den Ferien lief, wie nicht anders erwartet, sehr chaotisch ab. Die Hälfte unserer Schüler hatten nach den Ferien vergessen, dass sie auch Geige spielten, wodurch wir nicht so viel Unterricht hatten und uns selbst langsam wieder an den Schulalltag gewöhnen konnten.

Langsam aber sicher merke ich aber, wie die Schüler Fortschritte machen. Während es am Anfang schien, als ob wir gar nicht vorankommen würden, bin ich jetzt manchmal überrascht, wie schnell sie manche Dinge verstehen.

Auch beim Arabischlernen geht es vorwärts. Obwohl ich immer noch den anderen Volontären hinterherhinke, was Vokabeln angeht, verstehe ich langsam immer mehr und Lisas und meine Arabischlehrerin versucht jetzt so viel wie möglich mit uns arabisch zu sprechen und englisch nur noch, wenn wir nachfragen.

Letzte Woche Montag war dann mein Geburtstag, den wir natürlich ausgiebig gefeiert haben und da die meisten von uns Dienstag erst zur 5. haben, war das auch gar kein Problem. Als ich dann Dienstag in meine 8. Klasse gekommen bin, wurde ich mit „Zum Geburtstag viel Glück“ begrüßt.

Donnerstagabend hat Marion (die Klassenlehrerin unserer 8ten) Marius, Felix und mich zum Essen eingeladen und wir sind nach Jerusalem gefahren in die German Colony, wo es sehr viele gute Restaurants gibt und haben Steak gegessen. Danach haben wir uns noch mit Suha, Meike, Lena und Lisa in der Neustadt getroffen und sind in einen Club gegangen, wo wir dann noch Merphie trafen.

Merphie ist eine Freundin von mir aus Jerusalem, deren Eltern orthodox sind. Da sie damit aber nichts anfangen kann, führt sie so eine Art Doppelleben. Sie geht in eine religiöse Mädchenschule und befolgt zu Hause die Regeln, die man als orthodoxe Jüdin einzuhalten hat, verhält sich aber sobald sie von zu Hause weg ist, wie jedes andere sekuläre Mädchen. Sie hat mich diese Woche total überrascht, da sie mir eröffnete, sie würde mich besuchen kommen. Ich hatte sie schon ein paar Mal gefragt, ob sie nicht Lust hätte vorbeizukommen, aber da hatte sie jedes Mal abgelehnt (Die meisten Israelis kennen, wenn überhaupt, Beit Jala nur als das Dorf, von wo aus Scharfschützen nach Gilo geschossen haben während der zweiten Intifada).


Nachdem ich Freitag meine erste Orchesterprobe hatte, mit einem kleinen Volontärsorchester, das ich organisiere, kam mich am Samstag dann Merphie besuchen. Dazu habe ich sie auch Jerusalem abgeholt und bin mit ihr zusammen mit dem arabischen Bus nach Talitha gefahren. Merphie war sehr nervös, nur sehr wenige Israelis trauen sich in die West Bank... Als ich ihr die Schule zeigte war auch ich sehr nervös, weil ich merkte wie sie angeschaut wurde. Es war nichts feindliches in den Blicken, aber man merkte, dass die Schüler ihren Augen nicht recht trauen wollten. Die meisten von ihnen kennen Israelis nur als Soldaten. Danach ging ich mit ihr in meine 8.Klasse, die sich mal wieder daneben benahm, was sie allerdings nicht so störte und nachdem Boudur und Joanna rausgeschmissen wurden, ging es auch wieder ganz ruhig zu. Bei der Fahrt zurück nach Jerusalem, waren wir beide wieder ziemlich aufgeregt, weil wir durch den Checkpoint mussten und nicht wussten, ob die Soldaten uns nicht komische Sachen fragen würden, weil eine israelische Jüdin mit einem arabischen Bus fährt, der auch noch aus der A-Zone kommt. Es ging allerdings total einfach. Sie guckten nur auf ihren Ausweis und sagten gar nichts. Obwohl der Ausflug keine Vergnügungsfahrt war, war es trotzdem sehr interessant und Merphie meinte, sie sei froh gewesen, hier gewesen zu sein.

26.1.10 09:14


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